Typische Messaufgaben: 5 Beispiele, wie ein Messlabor hilft
Mit welchen Fragen kommen Kunden ins Messlabor? Die folgenden fünf Beispiele zeigen typische Messaufgaben und wie wir sie lösen. Sie sind bewusst allgemein gehalten – konkrete Kundenprojekte behandeln wir vertraulich.
1. Erstmuster eines Spritzgussteils nach VDA
- Ausgangslage: Ein neues Werkzeug liefert die ersten Teile. Für den Erstmusterprüfbericht (EMPB) nach VDA müssen alle Merkmale der Zeichnung vermessen werden.
- Vorgehen: Zuerst prüfen wir, welches Messverfahren sich am besten eignet – taktil, optisch oder CT. Entscheidend sind Bauteilgrösse, Beschaffenheit, Toleranzen und die geforderten Merkmale; je nach Aufgabe kombinieren wir auch mehrere Verfahren. Jedes Merkmal erhält auf der Zeichnung eine Referenznummer.
- Ergebnis: Ein Prüfbericht mit Soll- und Istwerten und der Bewertung jedes Merkmals. Abweichungen zeigen, wo das Werkzeug korrigiert werden muss. Über die Freigabe entscheiden Sie als Kunde.
2. Lunker und Wandstärken in einem Gussteil
- Ausgangslage: Es besteht der Verdacht auf Hohlräume oder zu dünne Wände. Aufschneiden würde das Teil zerstören und nur einen einzelnen Schnitt zeigen.
- Vorgehen: Wir scannen das ganze Bauteil im CT. Hohlräume, Poren und Lunker werden im 3D-Modell sichtbar, Wandstärken lassen sich flächig auswerten. Ob sich ein Teil durchstrahlen lässt, hängt von Material und Wandstärke ab – das klären wir vorab.
- Ergebnis: Lage und Grösse der Fehlstellen sind sichtbar, ohne das Teil zu zerstören.
3. Ersatzteil ohne Zeichnung
- Ausgangslage: Ein Bauteil soll nachgefertigt werden, aber es gibt weder Zeichnung noch CAD-Daten mehr.
- Vorgehen: Wir digitalisieren das Teil – je nach Bauteil mit dem 3D-Scanner GOM ATOS oder mit dem CT. Welches Verfahren passt, entscheiden unter anderem Geometrie, Material und Zeitrahmen. Aus den Daten leiten wir ein bearbeitbares CAD-Modell ab (Reverse Engineering).
- Ergebnis: Ein CAD-Modell als Grundlage für Nachfertigung oder Weiterentwicklung.
4. Reklamation: Wer misst richtig?
- Ausgangslage: Lieferant und Abnehmer kommen beim selben Bauteil zu unterschiedlichen Messwerten.
- Vorgehen: Eine neutrale taktile Messung durch unser nach ISO/IEC 17025 akkreditiertes Labor. Der Bericht dokumentiert die Messbedingungen (Bezugstemperatur 20 °C) und die Messunsicherheit.
- Ergebnis: Eine unabhängige, nachvollziehbare Grundlage, um die Reklamation sachlich zu klären.
5. Rauheit einer Funktionsfläche prüfen
- Ausgangslage: Eine Dicht- oder Gleitfläche funktioniert nicht wie erwartet, oder die Zeichnung schreibt Rauheitswerte vor, die nachgewiesen werden müssen.
- Vorgehen: Wir messen die Oberfläche mit dem Rauheitsmessgerät im Tastschnittverfahren und werten die geforderten Kenngrössen wie Ra oder Rz aus. Bei Bedarf erfassen wir mit der Konturmessung zusätzlich Radien, Winkel und Profilformen.
- Ergebnis: Die gemessenen Kennwerte im direkten Vergleich zur Zeichnungsvorgabe – als Grundlage, um Bearbeitung oder Vorgabe gezielt anzupassen.
Ihre Messaufgabe ist nicht dabei?
Beschreiben Sie uns Bauteil und Fragestellung – wir empfehlen Ihnen das passende Verfahren und erstellen eine unverbindliche Offerte. Welches Verfahren wann passt, erklärt der Beitrag CT oder taktile Messung?, den Ablauf eines Auftrags der Beitrag So läuft eine 3D-Messung ab.
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